Ukrainischer Winter in Europa
IIC Berlin

Neun Monate sind seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine vergangen und den Ukrainern scheint ein langer und bitterer Winter bevorzustehen, in dem sich ihre Lebensbedingungen verschlechtern werden.

Während der Krieg die Grundlagen eines Landes und das Leben seiner Menschen zerstört, spürt Europa bereits die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Konflikts. Allerdings ist es alles andere als sicher, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs in der Lage sein werden, die Situation nach Kriegsende richtig einzuschätzen.
Eine Frage, die noch überzeugend beantwortet werden muss, ist, was nach einem Krieg passiert, der auf die eine oder andere Weise den Ruf der Russischen Föderation als Macht mit beträchtlichem Einfluss in ihrer weiteren Region getrübt hat.
Dieses Ungleichgewicht zeigt sich bereits in der Art und Weise, wie Peking auf Moskau zugeht. Weit verbreitet ist das Gefühl, dass das Verhältnis zwischen China und Russland unangenehm einseitig wird.

Dies zeigt sich auch in Pekings Politik in Zentralasien. Im September unternahm Chinas Präsident Xi Jinping seine erste Auslandsreise seit der Pandemie.
Er besuchte Kasachstan, bevor er zu einem Treffen der Shanghai Cooperation Organization (SCO) nach Usbekistan reiste.
Die Spannungen an der Grenze zwischen Tadschikistan und Kirgisistan – ein langjähriger Streit – eskalierten kürzlich, wobei Russland anscheinend nicht in der Lage war, einzugreifen.

Die Türkei bereitet einen weiteren Einmarsch in Nordsyrien vor.
Es ist nicht klar, ob Ankara dies mit Zustimmung Moskaus tut.
Unterdessen hat sich die internationale Position Armeniens nach der verheerenden Niederlage des Landes in Berg-Karabach gegen die aserbaidschanischen Streitkräfte, die erhebliche türkische Unterstützung genossen, verschlechtert.
Der Rückgang des russischen Einflusses in seiner Peripherie wird unmittelbare Folgen haben.
Abgesehen von der Distanzierung Kasachstans und Aserbaidschans, die vorerst die offensichtlichsten Fälle sind, werden weitere Staaten an der russischen Peripherie versuchen, die Beziehungen zu Moskau abzubrechen.

Das Abenteuer der Türkei in der Kaukasusregion ist ein Versuch, ein Vakuum zu füllen.
Dasselbe gilt für Chinas Wettlauf um Einfluss in Zentralasien.

Der Krieg in der Ukraine ist möglicherweise nur eine blutige Episode in einer ganz anderen Welt, deren Umrisse wir derzeit kaum abschätzen können.

IIC Berlin