Mittwoch, April 29, 2026
Google search engine
Start Asien Türkei Eine neue Deutsch-Türkische Mischkultur

Eine neue Deutsch-Türkische Mischkultur

0
79
IIC Berlin

Vor 60 Jahren waren es noch „die Fremden“, die Gäste. Die, die Deutschland wieder aufbauen sollten. Von vielen misstrauisch begutachtet, von wenigen herzlich willkommen geheißen. Doch die „Gäste“, die Deutschland auch irgendwann wieder verlassen sollten, sind zu großen Teilen geblieben und nennen Deutschland nun ihr zu Hause. Aus Deutschen und Türken wurde allmählich eine Deutsch-Türkische Mischkultur.

Deutsche und Türken – eine Mischkultur?

Türkischstämmige in Deutschland, Deutschtürken, Türken in Deutschland. Personen mit türkischer Staatsbürgerschaft oder deren Nachkommen. Also Menschen mit türkischem Migrationshintergrund.

Im Jahr 2018 leben etwa drei Millionen „Deutschtürken“, wie sie umgangssprachlich genannt werden, in Deutschland. Die Hälfte von Ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit.[1]

Kann man denn überhaupt von einer Deutsch-Türkischen Mischkultur sprechen? Interkulturelle Verbindungen, zum Beispiel in Form von Ehen, zwischen Deutschen und Türken sind nämlich eher die Ausnahme, als die Regel. Türken bleiben gerne unter sich. Das Bedürfnis, die eigene Kultur weiterleben zu lassen ist sehr groß und somit auch die Angst, diese mit einer interkulturellen Partnerschaft zu vergessen. Wahrscheinlich tragen auch Tradition und die Wünsche der Eltern bei der Partnerwahl erheblich mit bei.

Mit Mischkultur ist vermehrt die Nachkommenschaft der türkischen Gastarbeiter gemeint. Türkischstämmige in Deutschland, die nahtlos in die deutsche Gesellschaft verlaufen und  bestens integriert sind. Die in Deutschland eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren, einen Job finden, eine Familie gründen. Auch das zeigt wieder, dass Rassismus und Diskriminierung veraltete Phänomene sind.

Im Laufe der Jahre haben sich die türkische Kultur, das türkische Leben und selbstverständlich die „Deutschtürken“ so in Deutschland etabliert und integriert, dass sie kaum noch wegzudenken sind. Nicht mal im kleinsten Ort auf dem Land darf die Döner-Bude fehlen. Und auch der größte Kritiker ist mittlerweile von Baklava überzeugt. Über Moscheen bis hin zu orientalischen Möbelgeschäften und einer immensen Auswahl an türkischer Kost, nicht nur im Restaurant, sondern auch in Form von türkischen Supermärkten sowie türkischen Radiosendern und Zeitungen, hat sich die türkische Lebensart in Deutschland endgültig etabliert.

Der Dialog zwischen Deutschen, Türken und Deutschtürken war seit jeher groß und wächst von Tag zu Tag. Vor allem in Zeiten des „Supermultikulti“, mit Hotspots wie beispielsweise Berlin, und die damit einhergehende verstärkte Toleranz gegenüber anderen Nationen und und deren Migrantinnen und Migranten.

Im Prinzip könnte und müsste man von einer Mischkultur sprechen, gerade weil Türkischstämmige schon so lange in Deutschland leben und sich wahrscheinlich bisher besser integrieren konnten als jede andere Nation in Deutschland.

 

Zugehörigkeitsgefühl – Bin ich Türkisch oder Deutsch?

Zwar leben türkische GastarbeiterInnen und deren Nachkommen bereits in zweiter, dritter und sogar vierter Generation in Deutschland, dennoch sieht das Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus.

Die oben genannten Nachkommen türkischer GastarbeiterInnen sind Deutsche. Oder doch Türken? Auf dem Papier sind, die die einen Deutschen Pass besitzen, Deutsche. Zu welcher Nation sie sich aber zugehörig fühlen, ist sehr individuell. Ein neuer Trend zeigt, dass das Zugehörigkeitsgefühl junger DeutschtürkInnen eher in der Türkei liegt, obwohl sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.[2]

Es zieht sie also immer weiter weg von Deutschland und näher zur Türkei. Gründe dafür sind vor allem die noch immer vorherrschende Diskriminierung gegen Türkischstämmige und die negativen Erfahrungen der ersten Generation, die die zweite und dritte Generation oftmals miterlebt haben und noch immer miterleben. Leider ist das im Jahr 2022 und für die nachfolgenden Generation, die hier geboren wurden, noch ein Thema. „Man wird trotzdem nie so anerkannt und geschätzt wie ein Deutscher.“.[3] Fehlende Chancengleichheit auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, insbesondere in in Metropolen wie Berlin, spielen darüber hinaus eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Und das obwohl „das Türkische“ so sehr in Deutschland eingegliedert ist.

In der Türkei habe man bessere Chancen, vor allem auf dem Arbeitsmarkt. Man sei willkommen und dieses Gefühl haben viele DeutschtürkInnen in Deutschland oftmals nicht. Aber dass sie auf dem türkischen Arbeitsmarkt vor allem wegen ihrer deutschen Herkunft so willkommen sind, wird selten thematisiert.

Eigentlich sollten Deutschtürken und Deutschtürkinnen, vor allem in der 2. und 3. Generation sagen können, dass sie beides sind. Sowohl türkisch als auch deutsch. Und es liegt an jedem und jeder Einzelnen, dass dieses Gefühl der Zugehörigkeit entsteht und auch nachhaltig erhalten bleibt.

Das „Türkische“ und DeutschtürkInnen werden weiterhin ein großer Teil Deutschlands sein, die türkische Kultur mit einbringen und die deutsche damit prägen. Deutsche, Türken, DeutschtürkInnen, am Ende sind wir doch alle Menschen.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Türkeistämmige_in_Deutschland#Bezeichnung_Deutsch-Türken

[2] https://cdn.website-editor.net/09fe2713f5da44ff99ead273b339f17d/files/uploaded/2017.pdf

[3] https://www.youtube.com/watch?v=mpn-9kpTN-w&t=1s

IIC Berlin