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Abdul- Rahman Badawy

Der Ägypter, der die deutsche Philosophie liebte

Abdul- Rahman Badawi (1917-2002), war einer der bedeutendsten philosophischen Persönlichkeiten und Gelehrten in Ägypten. Ein produktiver Schriftsteller und Übersetzer mit etwa 120 Monographien und Übersetzungen in Philosophie, der als erster existentialistischer Philosoph und Nachfolger Martin Heideggers gilt.

Abdel-Rahman Badawi wurde in einer reichen Familie auf dem Land geboren, im  Dorf von Sharabas, Gouvernement Damietta .

Nach dem Abitur studierter er an der Philosophische Fakultät der ägyptisch Universität.

Badawi hat ein stürmisches Leben geführt.

Er wurde Gegenstand von Kontroversen, Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten zwischen seiner eigenen und späteren Generationen.

Es besteht jedoch allgemeines Einvernehmen, dass er als ein Pionier und ein vollwertiger Meister seines Fachs anzusehen war. In Anerkennung dieser  herausragenden Leistungen wurde Dr. Badawi der „Mubarak-Preis für Briefe“ verliehen.

Die Liste seiner dozentischen Tätigkeiten ist lang.

Am 15. Oktober 1938, ernannte man Badawi zum Lehrbeauftragten des Instituts für Philosophie der Philosophischen Fakultät der ägyptisch Universität.

Als Assistent von Professor Lalande unterrichtete er BA-Studenten über Forschungsmethodik und Metaphysik.

Ab Januar 1939 lehrte er Geschichte griechischer Philosophie und interpretierte französische Philosophietexte an der Fakultät für Philosophie.

Im November 1941 erhielt Badawi seinen Master mit einer Dissertation in französischer Sprache unter der Leitung von Professor Lalande.

Die Dissertation wurde 1964 in französischer Sprache in der Druckerei des Französischen Instituts für Orientalische Archäologie in Kairo gedruckt.

Badawi lehrte (neben der Exegese griechischer Philosophietexte) auch Logik, einen Teil der Geschichte der griechischen Philosophie und wissenschaftliche Forschungsmethodik. 1950 ging er an die Fouad Universität (jetzt Kairo Universität).

Auf 29. Mai 1944, promovierte der Gelehrte in Philosophie an der Fouad University mit einer Dissertation über den Titel „Existentialist Time“.

Die Dissertation wurde 1945 in Buchform veröffentlicht.

Im selben Jahr wurde er zum Lehrbeauftragten am Institut für Philosophie, der Philosophischen Fakultät, Fouad, an der er im Juli 1949 zum Assistenzprofessor befördert wurde.

Im September 1950 wechselte er an die Philosophische Fakultät, die Ibrahim Pascha Universität, an der er das Institut für Philosophie gründete und leitete.

 

1955 wurde er zum Lehrstuhlinhaber berufen und blieb bis zu seinem Ausscheiden aus der Universität am 1.1. September 1971 dort im Dienst.

 

Von 1947 bis 1949 wurde er zum Professor für Islamische Philosophie an die „Higher College of Arts“ der Französisch Universität in Beirut, Libanon, eine Filiale von Lyon Universität in Frankreich, berufen.

 

Er arbeitete in den fünfziger Jahren dann weiterhin als Kulturberater und Leiter der ägyptischen Bildungsmission in Bern.

 

Später, 1967, war er Gastprofessor am Institut für Philosophie und Institut von Islamische Studien an der Philosophischen Fakultät, Sorbonne, Universität und Paris.

 

In den folgenden sechs Jahren (1967 – 73) lehrte er als Professor für Logik und moderne Philosophie an der libysche Universitätin Beni- Ghazi.

1973-74 unterrichtete er an der Theologischen und Islamischen Fakultät Teheran.

Ebenso unterrichtete er auch Sophismus und islamische Philosophie für Doktoranden und hielt einmal jeden Sonntag öffentliche Vorlesungen über islamischen Sophismus vor den Professoren und Studenten der Fakultät.

 

Das Ergebnis dieser Vorträge mündeten in  seinem Buch „Geschichte des islamischen Sophismus -vom Anfang bis zum zweiten Jahrhundert der Hegira“, (Kuwait, 1975).

 

1974 zog er nach Kuwait und wurde dort als Professor für zeitgenössische Philosophie, Logik, Ethik und Sophismus an der Philosophischen Fakultät heimisch.

Neben seinem wissenschaftlichen Engagement engagierte sich Badawi aktiv in der nationalen Politik.

Er war Mitglied der Misr al- Fatah- Partei (1938 – 1940), und Mitglied des Höheren Ausschusses der Neonationalen Partei (1944 – 1952).

Im Januar 1953 wurde er zum Mitglied des Verfassungsausschusses gewählt, der mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung beauftragt wurde.

Der Ausschuss bestand aus ausgewählten Politikern, Intellektuellen und Juristen (insgesamt 50 Mitglieder).

 

Er hat insbesondere zu den Bestimmungen über „Freiheiten und Pflichten“ beigetragen.

Er und andere politisch Aktive, bestanden auf einer liberal-demokratischen Position, obwohl ihr Abschlussdokument vom neuen Regime abgelehnt wurde.

Der Ausschuss unterband seine Arbeit im August 1954.

Der Verfassungsentwurf wurde aufgegeben und später durch die Verfassung von 1956 ersetzt.

Badawi nannte es  später,  „….ein abgebrochenes ägyptenliberales Experiment, das sich durchaus zu einer vollen Demokratie hätte entwickeln können.“

1966 verließ er deshalb das Land und kehrte erst am Ende seines Lebens zurück.

Im Mai 1938 erhielt Badawi seinen BA in Philosophie mit Auszeichnung.

Er studierte bei renommierten französischen Professoren wie Alexandre Koure (1892-1964), Andre Lalande (1867-1963) und dem Orientalisten Paul Kraus (1900-44).

Mit den Werken der Orientalisten wurde Badawis Aufmerksamkeit auf das Thema des Einflusses des griechischen Erbes auf die islamische Welt gelenkt.

Badawi, der enzyklopädische Philosoph, übernahm den Existentialismus und trug zu seiner Entstehung bei, die er 1943 in seinem Buch „Existentialist Time“ beschrieb.

Nach erfolgreicher Verteidigung seiner Dissertation, wurde er von Dr. Taha Hussein als ersten ägyptischen Philosoph in Ägypten und der arabische Welt in der Neuzeit bezeichnet.

Nach seiner eigenen Beschreibung unterscheidet sich seine Version des Existentialismus von Heideggers und anderen Existentialisten darin, dass sie dem Handeln den Vorrang vor dem Denken einräumt, und die Bedeutungen der Existenz sowohl auf Vernunft ,als auch auf Emotion und Willen zusammen, ebenso wie auf die lebende Erfahrung, die davon abhängt, gründet. Er legte den Focus auf die inneren Gefühle, die das lebendige Dasein besser begreifen können.

Da Sartres und Heideggers Arbeiten zu diesem Thema noch immer neu und aktuell waren, war es vielleicht unvermeidlich, dass Badawi in der gesamten arabischen Welt als Fackelträger des Existentialismus bekannt wurde.

Nie zufrieden damit, nur ein Schüler zu sein, bewies er Originalität bei dem Versuch, seine Ideen in seiner eigenen Kultur zu verankern, insbesondere in seinem Buch „Humanism and Existentialism in Arab Thought (1947)“.

Badawi sprach viele europäische Sprachen, veröffentlichte mehr als 120 Bücher.

Er glaubte, dass der Westen und der Islam komplementäre und kompatible Glieder in einer gemeinsamen Kette waren.

Seine Förderung dieser These, die den Glaubensbekenntnissen moderner Islamisten zuwiderläuft, findet sich in seinen bahnbrechenden Büchern „Greek Heritage in Islamic Civilization (1940)“ und „Aristoteles unter den Arabern“, sowie in unzähligen Übersetzungen griechischer Gedanken.

Bezeichnenderweise übersetzte er ins Arabische Goethes „West-östlicher Divan“- eine Sammlung, die der Deutsche als Zeichen seiner Bewunderung für die arabisch-islamische Kultur verfasst hatte.

Zu Badawis anderen Werken gehören seine Einführung „Dissidents in Islam (1946)“ und die umstrittene „A History of Atheism in Islam“.

In seinen späteren Werken verteidigte er den „Al-Quran“ und den Propheten Muhammad und widmete den Orientalisten, die den Islam angriffen, einen Raum.

Er verfasste „ Défense du Coran Contre ses critiques“ (eine Verteidigung des Korans gegen seine Kritiker), 1988, und   „ Défense de la vie du Prophète Muhammad contre ses Détracteurs “ (eine Verteidigung des Lebens des Propheten Muhammad gegen seine Kritiker), 1990.

Badawi war mehr als sechzig Jahren ein engagierter Wissenschaftler auf dem Gebiet des Denkens und der Philosophie, ebenso wie er als ein kreativer Schriftsteller, Denker, Übersetzer und Erb- Forscher galt.

Mal aktiv an intellektuellen Kämpfen beteiligt, mal zurückgezogen im eigenen Zuhause, oder im freiwilligen Exil fern der Heimat:  zu allen Zeiten war es sein Anliegen, Modernisierung und Rationalismus zu fördern und den Geist aufzuklären.

Neben seinen philosophischen Werken produzierte Badawi eine Sammlung kreativer Schriften, die ein einzigartiges und kraftvolles poetisches Talent, eine sehr sentimentale Sprache und eine tiefe literarische und ästhetische Kultur widerspiegelten.

Zu diesen Schriften gehören: „Sorgen der Jugend“, „Tod und Genie“ , “ Lied eines Fremden“ und „Nymphen und Licht“.

Letzteres entstand in Form von Botschaften voller Emotionen, intellektueller Meditationen und persönlicher Geständnisse, die mit seiner Geliebten ausgetauscht wurden, mit dem Namen  „Salwa“ (eine Nymphe aus Libanon) bezeichnet.

Badawi erzählt darin seine unerfüllte Liebesgeschichte, die ihn dazu trieb, um die Welt zu wandern, auf der Suche nach Trost in Kunst und Schönheit.

Viele Kritiker glauben, dass “ Salwa “ nur eine künstlerische „Metapher“ von Badawis Schöpfung war, durch das er seine Ideen und intellektuellen Argumente ausdrückte.

Während seiner gesamten Karriere war Badawi ein äußerst produktiver Schriftsteller der Philosophie und Literatur, seit er sein erstes Buch „Nietzsche“ (Kairo, September 1939) zeigte.

Er schrieb mehr als 120 Bücher, darunter fünf Bände in französischer Sprache, sowie Hunderte von Artikeln und Forschungsarbeiten, die auf internationalen wissenschaftlichen Konferenzen in Arabisch, Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch gehalten wurden.

Eine kurze Liste seiner philosophischen Werke:-

1- Nitsch ,Kairo, 1939.

2- Griechisches Erbe in der islamischen Zivilisation,Kairo, 1940.

3- Platon,Kairo, 1943.

4- Aristoteles,Kairo, 1943.

5- Der Frühling des griechischen Denkens,Kairo 1943.

6- Der Herbst des griechischen Denkens,Kairo 1943.

7- Existenzialistische Zeit,Kairo1945.

8- Humanismus und Existenzialismus im arabischen Denken,Kairo, 1947.

9- Der Geist der arabischen Zivilisation , Übersetzung und Studium,Beirut, 1949.

10- Die Logik des Aristoteles, Teil I, 1948, Teil II, 1949 und Teil III, (1952),Kairo.

11- Kunst der Poesie von Aristoteles, Übersetzung und Studium,Kairo, 1953.

12- Griechische Ursprünge politischer Theorien im Islam,Kairo, 1955.

13- Synopose des Oratoriums durch Ibn Roshds Überprüfung und Studie,Kairo 1960.

14- Studien zum Existenzialismus,Kairo, 1961.

15- Wissenschaftliche Forschungsmethodik,Kairo, 1963.

16- Ibb-Khadoms Werke,Kairo, 1963.

17- Die Rolle der Araber bei der Gestaltung des europäischen Denkens,Beirut, 1965.

18- Eine neue Einführung inPhilosophie, Kuwait, 1975.

19- Ethik in KantsMeinung, Kuwait, 1977.

20- Al Ghazalis Werke,Kairo, 1981.

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