„Wandlitz- echt schön hier“ – dieser zutreffende Werbespruch befindet sich auf der heutigen Webseite der Gemeinde Wandlitz.
Wandlitz ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Barnim in Brandenburg.
Sie entstand am 26. Oktober 2003 durch die brandenburgische Gemeindegebietsreform aus neun ursprünglich selbstständigen Gemeinden und wird vom ansässigen Bürgermeister Oliver Burkhard seit 2019 verwaltet und geführt.
„Echt schön hier“, dachten sich in der schönen Schorfheide schon einige:
Friedrich II, die Nationalsozialisten Himmler, Göring, und kurz danach die DDR Oberhäupter Ulbricht und Honecker.
Jahrzehntelang war der Wald in der ehemaligen DDR Sperrgebiet.
Walter Ulbricht, Erich Honecker und Erich Mielke machten hier Jagd auf Hirsche und Hasen.
Nicht nur das alle genannten Personen das Gebiet als grandioses Jagdgebiet erkannten, es diente als Wohnsitz für Göring, Ulbricht und Honecker, als Ausflugsziel für Adolf Hitler, als Sterbeort von Walther Ulbricht und sogar als Denkmal für die verstorbene Frau Hermann Görings: Carin.
Nach ihr wurde die Schlossanlage Carinhall, quasi als Ode an Walhalla, benannt.
Das frühere Gästehaus von H. Göring in Döllnsee, wurde bis 1954 von der FDJ als Jugendherberge genutzt.
Danach diente es dem DDR-Staatsrat als Gästehaus.
Wandlitz umgibt dramatische Aura, und beide Staatssysteme Nationalsozialsten und Kommunistische Sozialisten gaben sich hier nahtlos die Klinke in die Hand.
Die Waldsiedlung an sich, in der die DDR Regierenden lebten, und die das Gästehaus Görings einschloss, wurde 1958 erbaut.
Bereits im Frühjahr 1961 gab hier Walter Ulbricht den Befehl zum Bau der Mauer. Ulbricht starb dann auch hier in den 1970er Jahren. Honecker kam an die Macht und zog ebenso mit seiner Frau Margot und vielen Offizieren und Gattinnen nach Wandlitz um.
In Wandlitz selbst begann man mit dem Bau der Mauer ganz praktisch, nämlich um die Waldsiedlung herum.
Er sollte der neugierigen DDR Bevölkerung, und den West-Journalisten den Einblick verwehren, weil dies aber auch nicht auffallen sollte, strich man die Mauer hier mit grüner Farbe an.
Ein unangenehmes Gefühl, stets bewacht und hinter einer Mauer wohnen zu müssen, dafür wurden die DDR Staats- Beamten mit ihren Familien aber reichlich entlohnt, nämlich mit diversen Annehmlichkeiten im dort ansässigen Konsum, der Ware enthielt, die die DDR Bevölkerung nur aus dem West – Fernsehen kannte.
Und es gab natürlich einen Spiegel Saal, Schwimmbad Sauna, Kaminzimmer, Massage Raum, Bibliothek, und eben diese gute Luft.
Und dennoch mussten alle herrschenden Besitzer den Platz wieder verlassen.
Die Nazis wurden entmachtet. Aus dem Jagdschloss von Göring ist ein Museum geworden- in denen auch Überreste der Modelleisenbahn von Göring zu sehen sind.
Das DDR Regime wurde entmachtet. Erich und Margot Honecker nebst allen anderen Stasi – Offizieren mussten die Häuser weitgehend verlassen, die Bevölkerung hatte nun Zutritt und konnte sich selber ein Bild der Lage machen.
Ein Team der innovativen Fernsehsendung „1199“, war einer der ersten Interessenten, die das verschlossene Terra über die Fernsehkamera preisgaben.
„Elf 99 war eine Jugendsendung des DDR-Fernsehens, benannt nach der damaligen Postleitzahl 1199, dem Sitz des Fernsehens der DDR im Bezirk Berlin-Adlershof. Elf 99 wurde im September 1989 erstmals ausgestrahlt, unter anderem als Reaktion auf Nutzungs- und Wahrnehmungsmuster durch das Westfernsehen.[1] Die Programmstrecke verfolgte erstmals in der Geschichte des DDR-Fernsehens eine „alternative Programmpolitik“, mit der die DDR-Regierung Jugendliche, die sich von der DDR und deren Fernsehen abgewandt hatten, zurückzugewinnen hoffte. Elf 99 wurde nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR auf verschiedenen deutschen Sendern bis zur Einstellung am 26. März 1994 ausgestrahlt.[2]
Moderatoren der ersten Stunde waren Jan Carpentier, Ingo Dubinski, Victoria Herrmann und Angela Fritzsch. Später folgten Ines Krüger, Steffen Twardowski, Marcel Obua und Thomas Riedel. Anja Kling moderierte innerhalb der Jugendsendung das Mädchenmagazin Paula. Beim Wechsel zu RTL verblieben nur Victoria Herrmann, Ines Krüger, Steffen Twardowski und Thomas Riedel.
Die Sendung wurde erstmals am 1. September 1989 um 15:45 Uhr im 2. Programm des Fernsehen der DDR ausgestrahlt.“ ( Wikipedia)
Bis zu dem Zeitpunkt gab es in der DDR Bevölkerung nur Gerüchte und Vermutungen, dass die Toilettendeckel beispielsweise dort in der Waldsiedlung aus Gold bestünden.
Ganz so prunkvoll war es nicht, dafür aber sehr abgeschottet, von Kameras und Soldaten bewacht und äußerst gut versorgt. Dieser ungewöhnliche Landsitz der DDR Regierung hatte alles, was sie ihren Bürgern verwehrte. Damit wurde die DDR Regierung unglaubwürdig und der Sozialismus in seinem Scheinsozialismus- Sein bestätigt.
Göring war wesentlich üppiger in seiner Ausstattung und konnte regelrecht in seinen Treffen mit dem Führer und anderen Regenten bei seinen Treffen auf dem Land angeben, wenn es um die Anhäufung von Kunstgegenständen und Luxuseinrichtungen ging. Göring bereitete sich auch auf die Übernahme kommunistische Besetzer bestens vor, indem er Carinhall am 28.4.45 in die Luft sprengte, bevor alles unter kommunistische Räder kam.
Immerhin konnte man ein paar Skulpturen und Bilder noch retten. Görings Interesse bezog sich unter anderem auf: Da Vinci, Raffael und Rubens sowie Cranach, Dürer und Grünewald.
Der Besitz und das Ende Görings, ließ seitdem viele Schatzsuche in Aktion treten, die wertvolle Gegenstände, Säulen, Plastiken, Geldstücke, und kurz nach dem zweiten Weltkrieg auch viele Lebensmittel fanden. Und dies war bisher für manche äußerst erfolgreich.
Auch in dann sozialistischen Anlage Wandlitz, in der Ulbricht und Honecker wohnten, gab es wunderbare Kunstwerke von DDR Künstlern.
Allerdings sind diese leider unauffindbar und können nicht mehr in Form einer Ausstellung geehrt werden.
Heute dient die ehemalige DDR-Staatsräte- Burg der pflege kranker Menschen in Form einer Rehabilitationsklinik, und der Pflege der Erinnerung in Form von Waldführungen durch Förster und Einblicke in das gesamte Wohngebiet.
Es ist frei zugängliches Gelände, der Weg zum See und in die brandenburgische Umegbung wunderschön – und da haben wir es wieder: echt schön!
Eine Gegend in der man wirklich wohnen möchte. Das kann man niemandem verübeln.
Und wie man weiß sind Diktatoren und Staatsherrschende Kenner und Genießer guter Architektur und oder wunderschöne Landschaften, um der Realität zu entfliehen, dem Alltag den Rücken zu kehren und auf dem Reißbrett Dinge zu entwerfen, um das Volk so fern, so klein und so abhängig wie möglich zu halten.
So wurde auch der Landsitz des Herrn Göring mit vielen KZ Häftlinge in erbaut, und eben die Idee der Mauer um Berlin und um die gesamte DDR entsprang in diese Idylle.
Man glaubt es nicht. Denn man kann auch anders:
Heute reagiert ein Team in Wandlitz, das sich klar positionieren kann, und innovativ im Weltgeschehen mitmischen möchte: Wandlitz ist durch seinen Bürgermeister Oliver Borchert und seinen vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Aufbau einer Partnerschaft mit dem Ort Makariv in der Ukraine beschäftigt.
Borchert, der 1970 geboren wurde, und hier in Wandlitz ab 1977 aufwuchs, möchte viel dazu beitragen, daß Wandlitz anders von sich reden macht als in den Jahrzehnten zuvor. Nicht nur schön, sondern auch sinnerfüllt und anpackend. So denkt man heute in Wandlitz.






