Sonntag, April 26, 2026
Google search engine
Start Team Zukunft der türkisch-armenischen Beziehungen

Zukunft der türkisch-armenischen Beziehungen

0
106
Zukunft der türkisch-armenischen Beziehungen
IIC Berlin

Eine seit Jahrzehnten andauernde Stille beherrscht den Kaukasus. Seit 1993 werden zwischen der Türkei und Armenien keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Armenien ist in der Region des Kaukasus isoliert. Nun wollen beide Länder ihre seit Jahrzehnten schwer belasteten Beziehungen normalisieren.

Ursächlich für diese Situation ist die schwere Vergangenheit beider Staaten. Gemeint ist die, von Experten als Völkermord eingestufte, Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich im Jahre 1915 und 1916. Die Türkei weist diese Vorwürfe vehement zurück und erkennt die Taten nicht an, obwohl genügend Belege vorhanden sind. Der armenische Staat wünscht sich eine Anerkennung und ein angemessenes Gedenken an die Ereignisse, die von Armeniern und Armenierinnen auch Aghet (Katastrophe) genannt wird.
Aber auch der von Armenien und Aserbaidschan geführte Krieg um die Region Berg-Karabach im Herbst 2020, bei dem Aserbaidschan von der Türkei militärisch unterstützt wurde und somit maßgeblich gewonnen werden konnte, ist wesentlich.

Nun soll, trotz der jüngsten Ereignisse, Normalität zwischen den beiden Staaten einkehren und so näherten sich Gesandte der Türkei und Armenien Mitte Januar 2022 in Moskau wieder an und begannen Verhandlungen und Gespräche, die zu einer Normalisierung der Beziehungen beider Länder beitragen sollen.
Bereits 2009 wollte man die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien wieder aufnehmen und normalisieren. Allerdings hielt sich die Türkei nicht an die in der Schweiz geschlossenen Zürcher Protokolle aus Rücksicht auf den verbündeten Aserbaidschan, der die damals von Armenien eroberte Berg-Karabach Region verloren hatte. Da diese Region nun militärisch von Aserbaidschan zurückgewonnen werden konnte, sind auch sie auf eine Wiederaufnahme normaler Beziehungen gestimmt.

Warum aber geht die armenische Regierung diesen Schritt? Laut dem Politologen Richard Giragosian will die armenische Regierung vor allem die Isolation des Landes beenden, denn die Grenzen zur Türkei sind seit Jahren geschlossen, und wie bereits erwähnt, sind auch die Beziehungen zu Aserbaidschan undefiniert. Die unterbrochenen Verkehrswege im Kaukasus sollen geöffnet werden, denn diese tragen wesentlich zu einer sehr schlechten wirtschaftlichen Lage in Armenien bei, die kaum Raum zur Entwicklung des Landes lässt und somit stark eingeschränkt ist. Auch Aserbaidschan und die Türkei profitieren von einer Öffnung der Grenzen und Transportwege sowie einer Normalisierung. Beide Länder könnten mit einem wirtschaftlichen Aufschwung rechnen und vor allem die Türkei könnte die drastische Inflation mittels Export türkischer Güter in die östlichen Regionen bekämpfen.

Es geht bei der Versöhnung vor allem um die Entwicklung der Infrastruktur sowie eine wirtschaftliche Entwicklung. Dennoch kommt ein aufkommender Frieden und eine Öffnung in der Kaukasus Region insbesondere der Bevölkerung zugute. Armenier und Armenierinnen leiden seit Jahren unter hohen Lebensmittelpreisen und wirtschaftlicher Eingeschränktheit.

Im Februar 2022 soll in Wien ein weiteres Treffen zwischen der Türkei und Armenien stattfinden. Der Völkermord solle allerdings kein Thema bei den Verhandlungen sein. Damit will man sich nach der Versöhnung befassen.

IIC Berlin